Die Familiengeschichte des Hubertushofs

Geschichte der Familie


Familienchronik und Erinnerungen von Dagmar Steimer

Kindheit und Wurzeln auf Schloss Holte & KettwigSchloss Holte – Das Elternhaus und die Natur

Ruhpolding, 12.2.1976
In der ebenen, sandigen Senne zwischen Bielefeld und Paderborn liegt im Holter Walde, wie eine Oase in der Wüste, das 1616 erbaute Jagdschloß zur Holte der Grafen von Rietberg. Am Horizonte sieht man den blauen Höhenzug des Teutoburger Waldes. Schloß Holte gehörte zur Grafschaft Rietberg, die 1821 von den letzten Fürsten von Kaunitz und Rietberg an den Rittergutsbesitzer zu Niederbarkhausen in Lippe, Friedrich Ludwig Tenge, meinen Urgroßvater, verkauft worden war. Drei Türme mit Zwiebelspitzen aus Schiefer und einem großen Gebäude von Wasser umgeben.

1894, wie mein Vater – Dr. Harald Tenge – meine Mutter Elisabeth Scheidt aus Kettwig an der Ruhr heiratete, wohnte im Schloß noch ein Onkel mit seiner Familie. So wurde ein neues Haus gebaut – mein Elternhaus. Manche von Euch kennen es. Für damalige Zeiten war es ein großes Haus mit fortschrittlicher Einrichtung. Das Schloß wurde dann später übernommen und stand zeitweise leer bis auf die oberste Etage, gleich unter der alten Turmuhr, die immer mit fürchterlichem Gerassel die Stunden schlug.

Meine Mutter – die Ama – hatte dann zwei Etagen als Gästezimmer eingerichtet. Es gab da noch kein elektrisches Licht, und das war an dunklen Herbstabenden sehr unheimlich im Schloß, was uns gerade viel Spaß machte. Wir hatten uns weiße Bettücher mitgenommen und spielten Gespenster. Einer von uns stand draußen vor der Tür und klopfte 12 Mal an die Tür und rief mit tiefer Stimme: „Um 12 Uhr stehen die Toten auf!“ Dann tastete man sich durch die dunklen Gänge und Zimmer und suchte die Anderen. Waren dann alle gefunden, zogen wir in den weißen Gewändern in den großen Saal, wo ein kleines Kerzchen brannte, und setzten uns stumm um den großen Tisch.

Ein anderes Mal spielten wir dann Verstecken mit Anschlag, auch oft draußen um das Schloß herum oder bei der Eisenhütte, wo dann die Flammen oben aus dem Hochofen herausschlugen, während das glühende Eisen drinnen in der Halle flog, von den Arbeitern aufgefangen wurde, um dann zu den verschiedenen Formen gebracht zu werden. Am Sonntag war es dann schön, auf der ganz stillen Hütte zu spielen. Wo sonst die Maschinen rappelten, war kein Mensch und es gab herrliche Verstecke, um Räuber und Gendarm zu spielen. Selbst die flachen Dächer der großen Schuppen waren vor uns nicht sicher, bis dann von einer Seite ganz tüchtig geschimpft wurde und wir aufhören mußten.

Wunderschön war es auch, daß rund um das Schloß der Teich ging. Es war ein schwerer Kahn da, ein etwas leichterer, und dann hatte mir der Bruder Harald noch ein Kanu geschenkt. Entweder konnten wir rundherum rudern, auf der kleinen Insel anlegen, oder, wie wir manchmal, haben wir uns große Wasserschlachten geliefert. Dass dabei manchmal „Mann über Bord“ ging, war selbstverständlich, aber sehr scheußlich, da der ganze Teich voll ekligen Morasts war. Auf der kleinen Insel hatten die Brüder ein kleines Häuschen gebaut, auch eine kleine Kochstelle mit Steinen zusammengesetzt. Wir haben dann die klitzekleinen Stichlinge gefangen und sie auf der Pfanne gebraten. Auch im kleinen Gärtchen auf der Insel mußte gearbeitet werden und kleine Wege wurden angelegt. Hatte ich keinen, der mit mir spielen konnte, setzte ich mich in das Kanu, fuhr an den Büschen entlang und suchte nach den Nestern der kleinen Krickenten. Gab es viele, nahm ich 1–2 Eier aus jedem Nest und brachte sie der Mutter mit nach Hause. Bei schönem Wetter ließ es sich aber auch gut im Schatten der großen Bäume auf dem Teich lesen. Wir hatten ja unter den Mücken nicht zu leiden, die alle Fremden arg stachen.

Der Verlust des Vaters (1915)

Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie an Weihnachten 1915: Der Vater, Dr. Harald Tenge, verstarb völlig unerwartet an den Folgen einer nicht rechtzeitig erkannten, vereiterten Blinddarmentzündung. Meine ersten Erinnerungen im dunklen Nebel waren Lieder, die Vater mit mir sang und mit der Gitarre begleitete. Wir saßen auf einem Sofa, das einen Baldachin hatte. Auch höre ich Vater noch Horn und Geige u. Klavier spielen. Sehr unglücklich war ich, wie Vater mir ein Schokoladebärchen mitbrachte und ich es morgens zerdrückt unter dem Kissen fand. Ich war 10 Jahre jünger als Bruder Jost-Bernd und 9 Jahre als Bruder Harald. Im Grunde wurde ich wohl von den Brüdern sehr verwöhnt, wenn sie mich wohl auch oft sehr ärgerten.

Erlebnisse als Kind im Wald

An einem Pfingsttag fuhren wir mit Vater und Mutter im Wagen in den Wald, um einen Fuchsbau auszugraben. Für die Schule mußte ich gerade das Lied lernen: „Der Mai ist gekommen“ (es könnte 1913 gewesen sein). Vater konnte einen Fuchs schießen, 3 kleine Füchse wurden ausgegraben und mitgenommen. Mutter ließ sie eine Zeit lang füttern in diesem alten Badezimmer im Turm. 2 Füchse gingen bald ein und einen kleinen Fuchs nahm noch jemand als Tauschkind mit, trauter Fuchs!

Fluchtpunkt Kettwig (Erinnerungen an das Großelternhaus)

In den Ferien ging es dann zu Großmutter Auguste Scheidt (geb. Korte) nach Kettwig an der Ruhr. Oft ist es so lebendig, die Erinnerung an „Großmutter“ und ihr Haus. Wir waren fast in jeden Ferien in Kettwig bei Großmutter, nachdem Vater nicht mehr lebte (Weihnachten 1915 †). Vom Schloß Holte mit dem Zuge kommend, fing schon in Dortmund und Essen die Vorfreude an. Am Bahnhof stand dann der Kutscher Dider mit dem Gespann. Bis zum Krieg war es ein schönes Gespann, 2 Braunchen. Es war festlich, wie der gummibereifte Wagen über das Kettwiger Pflaster fuhr und das Geklapper der Pferde in den kleinen Gässchen schallte.

Dann ging es ins große Tor und fuhr es sich sanft auf dem Kies. Vorbei an dem großen Kastanienbaum hielt der Wagen vor Großmutters Haus. Dort standen sie schon bereit: Tante Siny und der Bienenkönig und Stimmen verließen Großmutter, sorgend in ihrer Freude und Güte. So machte mir als Kind immer wieder großen Eindruck die Treppe und die Diele mit weißem Marmor und darauf die leuchtend roten Läufer und Teppiche. Dann ging es zur Begrüßung in die Küche, wo die gute Köchin Alma ihres Amtes waltete. Wir wurden dann im sogenannten Engelland-Gelt-Zimmer untergebracht, hoch oben mit wunderbarem Blick über die Ruhr nach Kettwig u. d. breite Schloss Landsberg und Hugenpoet. Gemütlich war dann das Essen im holzgetäfelten Esszimmer. Großmutter saß oben am Kopfende des Tisches. Großen Eindruck machte das Bild, die Prozession in Italien irgendwo in einer engen Straße (jetzt im Besitz v. Gerd Tenge).

Jugendzeit, Schulbildung und Freie Jahre (1916–1926)

Erkrankung und Erholung (1918–1920)

Im Herbst 1918 erkrankte ich in Drais schwer an Diphtherie, die nicht erkannt wurde, da es damals in Drais keinen Arzt gab. Wie ich besser wurde, merkte ich auf einmal, daß ich nicht mehr lesen konnte. Meine geliebte Lehrerin kam mich besuchen. Zur Erholung ging es an die Großmutter, wie wohl man froh war über die Rückfahrt in den mit Soldaten besetzten Zügen. 1918 waren wir zudem am Achensee mit Tante Dora Breithaupt u. mit den Kindern zusammen. In den Jahren 1919 u. 1920 machte die Tante einige Wohnungen in Norderney aus, so dass wir 3 Kinder zusammen dorthin reisten.

Zweite Ehe der Mutter & Umzug nach Birnfeld

Januar 1922 war Mutters zweite Hochzeit mit Händchen von Below (im Text teils v. Below), die in Kettwig mit großem Aufwand gefeiert wurde. Es war das letzte große Fest, das Großmutter gab. Ich blieb damals bis Ostern in Kettwig, wo ich Unterricht bekam und privat vom Pfarrer auf die Konfirmation vorbereitet wurde. Ostern 1922 wurde ich in der Kirche in Kettwig zusammen mit dem so netten Vetter Johann-Wilhelm Scheidt (genannt Willi) konfirmiert. Ein paar Tage später spielten Willi und ich selbstvergessen und glücklich am großen Teich mit breiten Bächlein, und waren beide doch schon 16 Jahre.

Im Sommer 1922 ging es dann von Kettwig nach Birnfeld (Unterfranken) – mit einer Privatlehrerin Frl. Ditschnitt. Birnfeld war ein wunderschönes Schloß (Erbshof von Würzburg) mit Landwirtschaft, das Vetter v. Below gemeinsam gekauft hatte. Gegen meinen Willen war ich da im Dorf die „Baronesse“. Im Ganzen war es wohl ein recht glücklicher Sommer. Die Lehrerin und ich versuchten den unterirdischen Gang vom Felsenkeller zum Schloß aufzugraben. Bei Mondschein machten wir Tischrücken. Ich hatte auch einen romantischen Flirt mit einem Volontär, einem verarmten Freiherrn. Es gab viel Besuch, Reisen, Krokett spielen. In den Sommerferien machten Frl. D. und ich eine Studienfahrt: Nürnberg, Bamberg, Rothenburg, Würzburg. Es war auch hübsch, aber sehr problematisch, da es schon der Beginn der Inflation war. Im Herbst kehrten wir nach Birnfeld zurück, und ich ging von dort aus dann das letzte halbe Jahr in Dieldorf zur Schule.

Frauenschule Haspelbühl & Inflation

Von Ostern 1923 bis Ostern 1924 besuchte ich 1 ½ Jahre die Frauenschule Haspelbühl. Dort lernte ich liebe Menschen kennen. Unsere geliebte Lehrerin war Frl. Schinslein (später Frau Forstmeister Siegers). In diese Zeit fiel die rasende Inflation. Wenn wir Geld von zu Hause bekamen, mußten wir in Eile in die Stadt, damit wir uns noch etwas davor kaufen konnten. Im Herbst war mein Gesundheitszustand leider so schlecht (viel Bronchitis), dass ich zeitweise nicht in die Frauenschule zurück durfte.

Auswanderung des Bruders

Zu Weihnachten (1923/1924) kam mein Bruder Jost-Bernd, der sich nun entschlossen hatte, nach Angola (Südafrika) auszuwandern, um dort eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen, und seine Vorbereitungen traf.

Reisen und Lehrjahre (Italien & Moosburg)

Im Frühjahr (1924) sind Mutti, Solms, Luise und ich nach Italien gereist – erst über Mailand, um Großmutter zu sehen, dann Cadenabbia am Comer See, Bordighera und auf dem Rückweg ein paar Tage in Lugano. Den Sommer durfte ich meine Mitschülerinnen Ruth u. Asta als Praktikantinnen nach Dürrenhofen begleiten.

Von Frühjahr 1925 bis Frühjahr 1926 verbrachte ich ein Jahr als Haustochter bei Petersdorf auf Gut Moosburg bei Tittmoning in Oberbayern. Es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft mit Luise Petersdorf. Wir feierten Fastnachtsfeste mit Münchener Studenten und besuchten die Salzburger Festspiele unter Max Reinhardt. Manche hübschen Wochenenden verbrachte ich bei Tante Dora Kohlhaas (geb. Tenge, Schwester meines Vaters). Sie war Schriftstellerin, wohnte in einem Rosenhäuschen vor den Toren von Salzburg, zeigte mir die Stadt und legte meine Liebe zu ihr.

Begegnung, Verlobung und Hochzeit mit Fritz Steimer

Die Herkunft von Fritz Steimer („Pappi/Opa“)

Parallel schildert die Chronik Fritzens Herkunft: Er wurde am 11. August 1898 als 11. Kind des Oberförsters (später Forstmeister) Ernst Steimer und der Holländerin Christine geb. Wallis de Vries aus Amsterdam in Ballern bei Merzig (Saarland) geboren. 2 Kinder starben früh, aber 9 Kinder wuchsen erst im Wiesenhof, dann in Ballern-Hilbringen gesund heran. Die 6 Mädchen (Marianne, Christine, Herta, Jane, Käte, Jettie) wurden evangelisch erzogen, die 3 Jungen (Ernst, Bruno, Fritz) katholisch – so war es bei dieser Ehe zwischen der evangelischen Krone und dem katholischen, in Trier geborenen Ernst Steimer beschlossen worden. Fritz war sehr unglücklich, katholisch zu sein, und hatte die Kommunion in sehr unangenehmer Erinnerung, da seine geliebte Mutter einmal vom Pfarrer als „Ketzerin“ bezeichnet worden war.

Als Junge von ca. 5 Jahren war Fritz schwer an Typhus erkrankt, angesteckt von seinem Bruder Ernst. Später besuchte er die höhere Schule in Merzig und das Gymnasium in Frankfurt. Nach dem Tod des Vaters (1911) zog die Mutter mit den Kindern nach Frankfurt am Main, wo sie eine eigene Schule erwarben (erst in der Kochstraße, dann die selbstgebaute in der Kronbergerstr. 43). Danach lag viel Schatten auf der Familie: Die Verlobten von Jettie und Käte endeten auf tragische Weise, und zu Beginn des Krieges ereignete sich der tragische Unfalltod von Karl Vielhaber (Mann von Herta).

Im Ersten Weltkrieg diente Fritz bei den Ulanen in Hanau und kam an die Ostfront nach Rußland (Masuren). Später wurde er in ein Pionierregiment versetzt. In diese Zeit fällt die Geschichte, wie er in Wien beinahe als Spion verhaftet wurde („Achtung Soldaten, Spionagegefahr!“). Nach dem Krieg war er Volontär auf einem Gut bei Saarbrücken und auf der Domäne Ochten bei Bruder Ernst. Nach der Rheinlandbesetzung durch die Franzosen ließ sich Fritz für seinen Bruder Ernst ausweisen, da dieser die Franzosen unablässig ärgerte. Die Tanten verlegten später das Mädchen-Pensionat nach Laubach (Oberhessen) hinter den Schloßpark.

Das Treffen und die Verlobung (Mai 1926)

Frühjahr 1926 erreichte mich in Moosburg die Nachricht vom Tode meiner Großmutter Scheidt. Nach der Beisetzung reiste ich im Mai nach Köln und über Marienrachdorf weiter nach Frankfurt zu meiner Schulfreundin Milly Dörries in die Kronbergerstraße. Schräg gegenüber war das Lyzeum der Tanten Koronbergerstrasse 43 in Frankfurt am Main. Milly hatte Fritz Steimer und seinen Freund Bernhard Delongare-Graf zu Solms-Laubach kennengelernt. Wir waren fast täglich zusammen im Palmengarten, Bad Homburg und im Neuen Theater.

Pappi (Fritz) sagte, er habe seinen Freund Graf Bernhard in Würzburg zu treffen und wollte mit mir fahren; er kam im letzten Moment am Bahnhof an. Am 8. Mai 1926  fuhren wir gemeinsam. Wir aßen erst sehr nett und romantisch im „Stachus“ in der Würzburger Altstadt, gingen dann in den Schloßpark und verlobten uns an einem Mäuerchen (dem „Liebenmäuerchen“). Im Laufe des Jahres trafen wir uns oft in Frankfurt, Laubach, Königstein und Witzenhausen. Im März 1927 kam Fritz nach Birnfeld, um feierlich um meine Hand anzuhalten. Später reisten Mutter und ich nach Frankfurt zum großen Verlobungsessen in der Kronbergerstraße.

Die Gartenhochzeit & Bezug des Hubertushofs (1927)

Während eines Besuchs in Horsburg erhielt ich das Telegramm: „Hubertushof gefunden“. Das junge Paar erwarb den Hof als neuen Lebensmittelpunkt. Die Hochzeit wurde auf den 30. Juli 1927 festgesetzt. Der Polterabend mit vielen Darbietungen der Steimers und Graf Bernhard Solms war wunderschön.

Die Hochzeit selbst fand im Garten des Anwesens statt. Pfarrer Haas aus Wetzlar traute uns an einem uranfänglichen Steintisch. Morgens brachte Baron Truchsess (der gute Veit) zu Pferde das Kruzifix. Es war ein herrlicher, heißer Julitag. Nach dem Essen im Saale (das Essen war aus Schweinfurt gekommen) brachten uns Bruder Harald abends ins Hotel nach Schweinfurt. Am nächsten Tag reisten wir an den Rhein (Assmannshausen und Koblenz). Als wir zum Hubertushof heimkehrten, stand zunächst nur ein Tisch in der Küche, doch Mutter hatte in den Folgetagen alles bis aufs I-Tüpfelchen eingerichtet. Von nun an liefen unsere Wege 43 Jahre gemeinsam.

Kriegszeit und die Marburger Krankheitsgeschichte (1945)

Aus dem Büchlein von Harald über seine Erkrankung

  • Februar 1945: Tag der Erkrankung an Diphtherie.
  • März 1945: Einlieferung in die Medizinische Klinik/Universitätsklinik Marburg. Die Diphtherie wurde erst nach 6 Wochen richtig festgestellt. Einige Tage nach Ausbruch blieb für 5 Wochen die Stimme weg, zudem konnte Harald 4 Wochen lang schlecht sehen und spürte nach 3–4 Wochen ein Kribbeln in den Fingern.
  • März 1945: Verlegung nach dem Offiziersheim.
  • März 1945: Erneute Verlegung.
  • März 1945: Harald erlebt im Stillen liegend den Einzug der US-amerikanischen Truppen und die Besetzung des Krankenhauses.
  • April 1945: Verlegung nach Sonnenblick.
  • April – 2. Mai 1945: Besuch der besorgten Eltern.
  • Mai 1945: Wieder zurück nach Sonnenblick.

Das Leben als Großmutter und Notizen zu den Enkelkindern

1) Fritz – geb. 5. Mai 1958

Wie Du auf die Welt gekommen bist, waren der Opa und ich im Urlaub in Ruhpolding. Wir fuhren mit dem Pferdchen zu einem Wasserfall und wanderten nach Tirol. Opa war vergnügt und wir waren froh, als die Nachricht Deiner Geburt eintraf. 1971 feierten wir Deinen 13. Geburtstag auf dem Hubertushof mit 6 Deiner Freunde und einer Schnitzeljagd im Regen. Ein wenig traurig machte mich in dem Jahr Deine Zerstörungswut, als nach dem zweiten Weihnachtstag im Keller zerschlagene Stühle lagen und Du viele Autos zerstört hattest. Du batest mich oft: „Erzähle mir von früher“. Ich wollte, ich könnte es so spannend wie der Opa, der stundenlang die Geschichten aus Ballern vom Katrejakob, dem Hannes, dem Groschenengelchen oder dem Peterjakob („Sie han auch Läus“) erzählen konnte.

2) Bärbel – geb. 8. August 1960

(Eintrag ohne  Text)

3) Frank Tenge – geb. 26. Juli 1963

Schöne Tage im Rosenweg. Ich fuhr Dich mit dem Kinderwagen hoch oben in die Reben. Opa war so glücklich bei Euch. Nach meinem Autounfall brachten wir Dir im November eine fauchende, tuckernde Lokomotive mit, die morgens um fünf im dunklen Dachzimmerchen losfauchte. Du hast oft so wild mit Opa getollt, dass ihr zusammengefallen seid und sich der Opa eine Rippe angebrochen hatte. 1970 habe ich Dich und Gerd in der Schillerstraße gehütet, während die Eltern im Urlaub waren. Frank meinte mal, am liebsten möchte er seinen kleinen Bruder Micky heiraten, so lieb hätte er ihn. 1971 reisten die Eltern mit Frank und Gerd nach Teneriffa, 1972 nach Büsum.

4) Axel – geb. 19. Februar 1965

Lieber, kleiner, liebenswürdiger „Kuckuck“! Du und Ralf, ihr zwei Kurzen, hattet unheimlich schöne Kinderjahre auf dem Hubertushof. Am liebsten warst Du bei Tante Käte. Mammi geht nun mit Dir nach Niederjosbach in die Turnstunde, damit Du aus Deinem Paradies Hubertushof langsam Anschluss an „die Welt“ und die Schule bekommst. Du warst mit den Eltern 4 Wochen in Spanien auf dem Campingplatz El Toro, im Jahr davor bei Onkel Michael und Tante Sigrid in Müllheim und davor in Dänemark, nachdem Du Weihnachten ganz schwer krank warst. Mit großer Freude denke ich an den Sommer 1967 zurück, als wir Dich mit 1 ½ Jahren für 3 Wochen gehütet haben. Du trankst brav mit Opa Tee an dem kleinen Tisch. Opa feierte damals seinen 77. Geburtstag und spielte Hegenmesser mit euch.

5) Doris – geb. 18. Dezember 1965

1971 war Doris im Herbst mit in Spanien (Picos?), vorher in Teneriffa. 1972 verbrachte sie 6 Wochen bei uns in Bergen, während ihre Mutter Christel im Krankenhaus lag; wir bekamen engen Kontakt. Zudem war sie 4 Wochen mit auf Mallorca und kam im Herbst zur Schule. 1976 machte Christel mit Dagmar und Doris eine Kreuzfahrt nach Rhodos, und 1977 reiste sie mit Walter und Doris im Sommer nach Pörtschach am Wörthersee.

6) Jürgen

(Eintrag ohne  Text)

7) Jochen – geb. 18. Februar 1970

Kleines Männlein! Im September 1972 wurdest Du für 14 Tage bei mir abgegeben, als die Eltern mit Frank und Gerd nach Büsum an die See fuhren. Du hast mich sofort als Ersatzmammi akzeptiert, warst aber geschwind wie ein kleines Tierchen. Obwohl in der Diele und im Bad Kisten, Kästen und Farbtöpfe von vier Handwerkern standen, hast Du nichts Gefährliches angerührt. Du bist gern zu Tante Käte gegangen (die Dich mit Kirschen beschäftigen wollte) und wurdest im Wägelchen zu Onkel H. und Tante Thy sowie Deinen Cousinchen Ingeborg und Bärbel gefahren.

8) Gerd (genannt Micky) Tenge – geb. 1967

Liebes Patenkind! Wie hast Du zum ersten Mal hier auf dem Hubertushof den Nikolaus erlebt, wenn er mit seiner roten Laterne hinten aus dem Walde kommt! Beim großen Familienfest zu Nikolaus 1970 warst Du mit 10 Enkelkindern von Opa und Oma zusammen („Lustig, lustig, tralala!“). Du hast gesagt: „Der Nikolaus hatte ein Taxi und sechs Kinder!“ Früher kam er im schweren Pelzkragen, nun hat er eine schöne Bischofsmütze und einen goldbestickten Umhang. Ich denke gern an die Septembertage 1970, als ich Dich als kleinen 3-jährigen „Wüterich“ hütete und Du sagtest: „Der Pullover ginge nicht über Deinen Dickschen“ oder „kniddel, knaddel Apfelmus“. Du willst immer dasselbe Spielzeug haben wie Dein großer Bruder Frank, was mit 4 Jahren Unterschied natürlich noch nicht immer geht.

9) Ralf Steimer

(Eintrag ohne  Text)

10) Beate – † 12. Mai 1962

Früher, trauriger Tod des Kindes. In Gedenken an sie wird in der Chronik eine Passage aus einem Buch von Brodfeld zitiert („Warum lieben wir Tiere? ... Sie schenken der Seele Ruhe...“).