
Festschrift zur Vermählungsfeier von Fräulein Elisabeth Scheidt und Herrn Dr. Harald Tenge am 10. August 1894 in Kettwig/Ruhr):
Speisefolge.
Weine:

Widmung
Zur Vermählungsfeier
Fräul. Elisabeth Scheidt und Herrn Dr. Harald Tenge
Kettwig a. Ruhr, 10. August 1894
Widmung.
Der Sommer strenet über Feld und Fluren Nun seiner Gaben reichste Wunderpracht, Die Mittagsgöttin folget seinen Spuren, Mit ihrem gold'nen Füllhorn reizumlächelt.
Die Wiese prangt in tausend bunten Farben, Vom Anger trägt man heim die reifen Garben Mit Sang und Klang.
Der Segen strömte reich vom Himmel nieder Und aufwärts steigen helle Dankeslieder, Sich mischend in der Sense Silberklang.
Und also recht in jedes Guten Fülle, Recht in des Jahres voller Erntezeit, Wo abgestreift der letzten Knospe Hülle, Begehen wir dies Fest in Fröhlichkeit!
Dem jungen Paare mög's zum Sinnbild werden, Stets leuchte ihm das reichste Glück auf Erden Verschwenderisch! Wie die Natur jetzt prangt im vollsten Glanze, So schling' der Freuden Fülle sich zum Kranze Erquickend,
leuchtend, golden, rosenfrisch. Ihr aber, die Ihr unsern Ruf vernommen, Ihr Lieben all' aus Nord, Süd, Ost und West, Euch bieten wir ein fröhliches Willkommen, Denn Freundestren' giebt Weihe unserm Fest!
Begehet mit uns dieses Tages Feier, Legt auf das junge Haupt, umhüllt vom Schleier, Manch Segenswort! Und kehren wir zurück ins Alltagsleben, Mög Euch aus diesen Blättern leis umweben Erinn'rung an das Heute immerfort.

Festgesang
Mel: Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben.
Ergreifet fröhlich alle die Pokale Und singt ein Lied beim hellen Gläserklang, Dass laut es wiedertone in dem Saale, Stimmet kräftig ein in unseren Festgesang! Dem lieben Brautpaar soll's erklingen, Ihm woll'n ein donnernd Hoch wir bringen: :: Sei's trüber Tag, sei's heit'rer Sonnenschein, Sie mögen glücklich und zufrieden sein.
Wie strahlet Lisbeth in dem Myrthenkranze Und Harald neben ihr mit selgem Blick, Wie leuchtet Wonne von des Antlitz' Glanze, Der Wiederschein von ihrem reichen Glück. Und dieses Glück mög sie begleiten Auch fernerhin zu allen Seiten! :: Sei's trüber Tag, sei's heit'rer Sonnenschein, Sie mögen glücklich und zufrieden sein. ::
Was sie erhofft, heut haben sie's gefunden, Das höchste Glück ward ihnen nun zu Theil, Die lange Zeit des Wartens ist entschwunden, Seitdem ihr Herz traf Amors spitzer Pfeil. Lasst uns die Gläser frisch erheben, Das junge Pärthen, hoch soll's leben! :: Sei's trüber Tag, sei's heit'rer Sonnenschein, Sie mögen glücklich und zufrieden sein.
Zum 10. August 1894.
Gedicht / Lied zur Vermählung
Mel: Strömt herbei Ihr Völkerscharen.
(Die Musik spielt einen Vers vor.)
Jubelnd mög dies Lied erklingen Jetzt an dieser Tafelrund', Ihnen lasst es dar uns bringen, Die nun eint der schönste Bund, Und beim vollen Becherkreisen, Das die Freude nur erhöht, Feiern nach des Rheinlieds Weisen Harald und Elisabeth!
Wie sie einst im Flügelkleide Als ein Pummelchen erschien, Seh'n zur schönsten Augenweide Wir sie lieblich bald erblühn. Kann es da wohl Wunder nehmen, Wenn gar schnell sich einer find', Tief erfasst von heissem Sehnen Zu dem holden Rheinlandskind.

Wie ein Märchen, froh ersonnen, War's beim Kölner Karneval, Da als Gigerl, voller Wonnen Harald sich in's Herz ihr stahl, Und ein Veilchen ihr verehrte Aus dem Bart, echt ritterlich, Seufzend, dass sie ihn erhörte, Aber Lisbet sträubte sich.
Freilich, tief im Herzen drinnen Ein gar warmes Feuer brennt, Zieht er bald auch weit von hinnen, Liebe keine Schranken kennt, – Ueber's Meer hin, leicht beflügelt Folgt ihr treu Gedenken ihm, Bis ein lautes „Ja" besiegelt Seiner Wünsche stilles Glühn.
Muss sie nun auch heute scheiden Von dem Ruhrthal, wo so schön Sie durchschwärmt der Kindheit Freuden, Froh erschall's: „Auf Wiedersehn!" Um das eigne Glück zu gründen, Zieht sie an des Gatten Hand Frisch hinaus, mög sie es finden Bei ihm im Westfalenland.
Ja, dort mög Euch reich erspriessen, Was des Lebens Glück uns schafft, Und das Dasein stets versüssen Treuer Liebe feste Kraft, Bis Ihr so vereint, wie heute, Golden einst die Myrte seht! Drauf stosst an, auf froh Geleite, Hoch! Harald-Elisabeth!